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Mit der größtenteils kritischen Reaktion auf seine Bestellung als ÖFB-Teamchef hat Marcel Koller bereits einen Vorgeschmack darauf bekommen, wie unwirtlich Österreichs Medienlandschaft sein kann, wenn es um den heimischen Fußball geht.
„Ein Eidgenosse mutiert zum Leidgenossen. Im heimischen Fußball Lager macht sich ein Koller breit“, übte sich die „Tiroler Tageszeitung“ in Wortspielen, beklagte aber auch ein „schweres Foul am rot-weißroten Fußball“, weil man keinen der österreichischen Kandidaten genommen habe. Die „Oberösterreichischen Nachrichten“ sind sich bereits sicher, das es „Anti-Constantini“ Koller „genauso schwer haben“ werde wie sein Vorgänger, hofft aber, dass er „ein besserer Stratege“ ist.
Für „Die Presse“ ist es schon einmal positiv, dass künftig „kein alter Haberer“ aus der österreichischen „Freunderlwirtschaft“ das Nationalteam trainiert. „Marcel Koller ist im österreichischen Fußball niemandem einen Gefallen schuldig. Allein das spricht für ihn als neuen Teamchef.“
„I werd narrisch! Erstmals wird ein Schweizer österreichischer Nati-Trainer!“, freute sich der Schweizer „Blick“ über den ersten Eidgenossen als ÖFB Coach: „Gut für Koller: Die Mannschaft ist im Moment am Boden. In der FIFA-Rangliste nur auf Platz 77, hinter Ländern wie Sierra Leone oder Gabun. Er kann also wenig verlieren. Und ein Blick auf die Mannschaft verrät: So schlecht ist Österreich nicht. In der deutschen Bundesliga spielen mehr Österreicher als Schweizer.“
Während Koller in seiner Heimat ein sehr geschätzter Trainer ist, ist er in Österreich (noch) weitgehend unbekannt. Darum gehen Umfragen auch völlig verschieden aus: So fragt etwa die „Neue Zürcher Zeitung“ online, ob Koller die richtige Person für den ÖFB-Posten ist, was bis gestern Nachmittag 72 Prozent der Abstimmenden mit „Ja“ beantwortet haben. Auf dieselbe Frage haben auf laola1.at je 40 Prozent mit „Ja, er ist ein Top-Mann“ und „Marcel wer?“ reagiert.
Koller selbst sieht die seinem ersten Arbeitstag vorauseilende Kritik vorerst gelassen. „Ich freue mich, dass ich es geworden bin. Es haben viele Leute sicher auch Gutes über mich erzählt, sonst wäre es wohl nicht zustande gekommen“, betont der Eidgenosse, der sich zwar erst einarbeiten muss. „Aber ich denke die Österreicher sind nicht so grundverschieden von den Schweizern.“
Quelle: SVZ / Foto: apa/dpa
