Dienstag, 20. September 2011

Didi Emich nahm den Hut – Spieler & Fans in der Pflicht

Nach zwei 0:4-Niederlagen in Folge ist der Rücktritt eines Fußballtrainers selten überraschend. Der Schritt von Austria-Coach Didi Emich kam gestern aber dennoch unerwartet, immerhin hatte er die Rückendeckung des Vorstands und zwei Aufstiege sowie die beste Saison eines Westliga-Debütanten seit 20 Jahren auf der Habenseite. Es war allerdings nicht nur die sportliche Momentaufnahme, die dem violetten Feldherrn zu denken gab...
 
„Austria braucht Profi-Coach“
„Die Austria kommt mit einem Amateur-Trainer nicht mehr aus“, betonte Emich, im Hauptberuf Projektleiter bei der Salzburg AG. „Ich verlange von jedem Spieler, dass er sich voll auf seine Ziele fokussiert. Ich als Trainer muss das vorleben, war aber beruflich zuletzt sehr stark eingespannt.“ Damit kam natürlich auch die Familie des ehemaligen Profikickers viel zu kurz, „und das Burnout hat schon angeklopft“.
 
Und dann noch die sportliche Misere. „Die Spieler waren zuletzt mit dem Kopf nicht bei der Sache. Jeder hat gedacht, es wird schon irgendwie laufen, aber so geht’s nicht. Vielleicht war mein Rücktritt eine letzte Möglichkeit, der Mannschaft zu helfen. Noch sind wir in einer Situation, wo alle Ziele erreichbar sind – aber jetzt gibt es keine Ausreden mehr.“
 
Das ist die eine Seite, die andere ist aber, dass die eine oder andere Fehlentwicklung im Verein Emich seine Entscheidung nicht gerade erschwert hat. „Einige glauben, violetter zu sein als andere. Es ziehen bei uns nicht alle an einem Strang“, meinte er, um gleich konkreter zu werden: „Es gab eine Zeit, in der Salzburg das beste Publikum in Österreich hatte – da gab’s immer Rambazamba, aber im positiven Sinn. Heute höre ich niemanden mehr sagen: ‘Super, du bist Austrianer!’ Aber das alles kann man wieder zum Positiven hin verändern.“
 
Daher weicht der Coach auch nicht im Groll, wie er mit stockender Stimme einräumt: „Ich habe mir meine Entscheidung nicht leicht gemacht. Mein Herz ist violett-weiß, seit ich ein Kind bin. Und ich wünsche der Austria weiterhin den größtmöglichen Erfolg!“ Wird er also schon am Wochenende in Saalfelden als Daumendrücker mit dabei sein? „Vielleicht ist es gescheiter, auf einen Berg zu gehen und mal ein bisschen Abstand zu gewinnen.“
 
Gerhard Stöger Interimscoach
Das kann Gerhard Stöger nicht, denn der (von einigen Fangruppen ebenfalls angefeindete) sportliche Leiter wird Emichs Amt interimistisch übernehmen – wie lange, ist ungewiss. „Es wird keine Schnellschüsse geben. Es wird schwierig genug, jemanden zu finden, der in Sachen Einstellung, Philosophie und Herzblut annähernd an Didi Emich rankommt. Ich bin stolz, dass wir so einen Trainer bei uns hatten.“ Unterstützt wird Stöger von Helmut Rottensteiner, der Co Trainer bleibt. Und von Michael Schwaiger, der bei den Violetten seit gestern als Tormanntrainer fungiert.
 
Quelle: SVZ / Foto: Krug