Freitag, 25. Februar 2011

"Ich habe mehr Druck als Huub Stevens"

Austria-Trainer Didi Emich spricht im Exklusiv-Interview mit SALZBRG24 über seinen "Aussetzer" bei der Hallen-Landesmeisterschaft, die Salzacharena, seine Europacup Vision - und warum er mit Tomaten auf seiner Hausmauer leben muss.

SALZBURG24: Sie sind seit zwei Jahren als Austria-Trainer im Amt. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz aus?
Didi Emich: Ich denke, dass die Anzahl der Punkte für die ich als Trainer verantwortlich bin sehr gut ist. Natürlich gibt es immer einen Weg nach oben. Gerade der vergangene Herbst war sehr gut. Mein Anspruch ist aber nicht ganz erfüllt worden, weil wir auswärts nicht so gepunktet haben, wie ich es mir vorgestellt hatte – obwohl oft mehr drinnen gewesen wäre. Das nehme ich aber auch auf meine Kappe, denn es gab ein paar Sachen, auf die ich vorher einwirken hätte können, um zu vermeiden, nicht so euphorisch in manche Partie zu gehen. Aber das ist vielleicht noch ein Lernprozess, den wir durchschreiten werden. Im Großen und Ganzen kann ich das Fazit ziehen, dass diese zwei Jahre sehr erfolgreich waren: Es waren zwei Hallenmeistertitel drinnen, zwei Titel auf dem Feld und der Herbst ist auch gut gelaufen.

SALZBURG24: Das wichtigste Auswärtsspiel gegen die Red Bull Juniors konnte man aber positiv gestalten.
Didi Emich: Da hat man schon meine Handschrift gesehen, nämlich dass der Wille im Fußball alles entscheidet. In dieser Partie waren wir fußballerisch schlechter, der Gegner war in jeder Position besser besetzt als wir. Aber da galt es sich zu überwinden, auch wenn man in Rückstand lag und 60 Minuten mit zehn Leuten vor 7000 Zuschauern bestehen musste. Das zeigt, woran wir tagtäglich arbeiten, das hat sicherlich den Ausschlag geben.

SALZBURG24:
Was ist in der Rückrunde für die Austria noch möglich?
Didi Emich: Offiziell haben wir noch 14 Spiele, wobei ich davon ausgehe, dass eines in unserem Sinne enden wird. Aber da lasse ich mich im Positiven überraschen, dann bleiben dreizehn Spiele über, quasi 39 Punkte. Wenn wir diese machen, sind wir vorne dabei - aber alle Spiele werden wir nicht gewinnen, außer wir haben einen super Lauf. Wir haben bis jetzt im Frühjahr immer gute Leistungen gebracht, gerade die jungen Spieler. Ich habe zwei, drei Junge, die einen extremen Schritt gemacht haben.

SALZBURG24:
Auf welchem Tabellenplatz wird die Austria die Saison beenden?
Didi Emich: Ich nehme alles in Kauf, aber es ist schwer zu sagen. Nimmt man die Voraussetzungen von Wattens, Anif, Dornbirn oder auch der Bullen, sind diese von den Rahmenbedingungen und vom Spielermaterial über uns zu werten. Aber es geht um den Willen - und den sehe ich bei uns stärker im Vordergrund als bei allen anderen. Ich lese immer von den Mannschaften, die sich die Meisterschaft ausmachen werden, die Austria erwähnt dabei keiner. Das ist aber ein wenig überheblich, denn mit uns muss man immer rechnen.
Die Platzierung ist noch nebensächlich. Ich bin zwei Mal Meister geworden, wollte das heuer auch wieder schaffen. Das ist in dieser Saison wohl nur schwer möglich. Wir haben in der Rückrunde alle starken Gegner daheim, sind die einzigen in der Westliga, die zu Hause noch nicht verloren haben. Bei uns hängen die Trauben sehr hoch. Das Ziel des Vereins war ein einstelliger Tabellenplatz. Ich möchte die Erwartungen immer übertreffen, das ist der Anspruch an mich selbst. Darum wäre ein fünfter oder zweiter Platz sehr schön, Meister wäre auch schön. Ob das etwas bringt ist die andere Frage, denn es wäre doppelt traurig, wenn wir dann nicht aufsteigen könnten.

SALZBURG24:
Was fehlt der aktuellen Mannschaft noch, damit sie um den Titel in der Westliga mitspielen kann?
Didi Emich: Wir waren im Herbst im Defensivbereich nicht so sattelfest, gerade auswärts. Die Spieler haben in den letzten zwei Jahren sehr viel gelernt. Ich habe das gesamte Gefüge umgebrochen, es war ein kompletter Stilbruch. Mein Zugang ist ein komplett anderer. Das ist ein Risiko und die Spieler müssen erst verinnerlichen, dass ich so einen Weg gehen möchte. Wir haben auf allen Positionen sehr gute Spieler, wenn einer ausfällt, habe ich noch nicht das Pendant dazu. Aber in der Westliga kann man das nicht erwarten, auch weil die Belastung noch nicht so hoch ist. Wir haben ein sehr offensivstarkes Mittelfeld, das Tore machen kann, darauf lege ich wert. Anders als früher, als nur auf einen Stürmer gesetzt wurde, wie damals mit Mersudin Jukic.

SALBURG24:
Ihr Vertrag endet in einem halbem Jahr. Sitzen Sie auch in der nächsten Saison auf der violetten Trainerbank?
Didi Emich: Der Verein hat viele Aufgaben zu erledigen, die ich auch akzeptiere, sodass man mich nicht im Vordergrund sieht. Ich fühle mich sehr wohl hier. Für mich sind die Perspektiven wichtig. Kommen wir in die Möglichkeit den Aufstieg ins Auge zu fassen? Und bekommt auch der Trainer die Möglichkeit das zu realisieren? Das wird man in den nächsten Wochen und Monaten besprechen.

SALZBURG24:
Sie blicken also gelassen in die Zukunft?
Didi Emich: Ja schon. In erster Linie ist es wichtig, dass die Mannschaft und ich die Leistung bringen, alles weitere ergibt sich. Ich will keine Spekulationen und auch nicht mehr Geld haben, wenn ich keine Leistung bringe. Wenn ich eine gute Leistung bringe, denke ich, dass das honoriert wird.

SALZBURG24:
Wie stehen Sie zur Salzacharena?
Didi Emich: Mir gefällt an der Diskussion nicht, dass ständig vom „Stadion für die Austria“ gesprochen wird. Meines Erachtens eine falsche Sicht der Dinge. Die Situation in Liefering ist derzeit absolut unbefriedigend. Ich weiß das, weil ich mit den Vereinen dort Kontakt habe. Meiner Meinung nach wurde in der Stadt Salzburg der Sport in den letzten 25 Jahren immer mehr ausgedünnt. Wir haben immer mehr dicke Kinder, mehr soziale Brennpunkte. Ich bin Itzling aufgewachsen, ohne den ASV hätte es dort Mord und Brandschatzung unter den Jugendlichen gegeben. Der Sportplatz mit Leichtathletik, Fußball oder Tennis war quasi ein Ruhepol. Dort kamen alle aus den Siedlungen und den „schwierigen“ Stadtteilen zusammen.

SALZBURG24:
Welche Argumente entgegnen sie einem Stadion-Gegner?
Didi Emich: Bei uns geht es nicht nur um das Stadion, wir brauchen generell Platz für unsere 250 Nachwuchskicker, auch für die Vereine in Liefering. In meinen Augen sind die Stadiongegener legitim, es ist immerhin alles unser Geld. Ich bin auch der Meinung, dass man im Stadion Kleßheim spielen kann. Diskutieren wir auch darüber: Wenn Anif heuer aufsteigt, wo spielt diese Mannschaft nächstes Jahr? In Anif? Ich glaube nicht. Dann müsste dort alles neu gebaut werden. Ich glaube, dass die Mannschaft von Anif weiter in der Regionalliga spielen wird. Dann wird die Lizenz getauscht. Der Bullen- Nachwuchs wird dann zu Anif, das aufgestiegen ist, und spielt dann auch im Stadion. Wenn diese Diskussion erstmal eröffnet ist, weil das sehr realistisch ist, dann spielen schon zwei Mannschaften in Kleßheim. Würde die Austria das Jahr darauf rein theoretisch auch aufsteigen, sollen dann drei Mannschaften in Kleßheim spielen? Wie soll das gehen? Und da rede ich noch nicht einmal davon, dass das der Stadionrasen gar nicht aushält. Der ist schon mit einer Mannschaft überstrapaziert. Da rede ich auch noch nicht von den Red- Bull- Sitzen. Sollen wir die abkleben? Wer macht das? Das sind Diskussionen, die sind alle nett, aber ich will das im Praktischen durchgespielt wissen. Es muss sehr starke Mietverträge geben, wo man auch Handlungsspielraum hat. Nicht, dass einer sagt: Wir haben jetzt Training und ihr könnt nicht in das Stadion.

SALZBURG24:
Aber dieselbe Angst haben höchstwahrscheinlich die Lieferinger Vereine, die sich mit der Austria die Salzacharena teilen würden.
Didi Emich: Wenn sich alle an einem Tisch setzen, können alle Ihre Bedürfnisse vorbringen. Dann müssen wir einen Konsens finden. Es wird einem Lieferinger Verein wohl nicht darum gehen, in einem Stadion zu spielen. Der Hintergrund ist, dass eine größere Anzahl an Zuschauern ein Spiel verfolgen kann. Das trifft bei der Austria einfach mehr zu, als bei anderen Vereinen. Es geht aber um das Gesamtkonzept mit Trainingsplätzen und Möglichkeiten für den Nachwuchs. Aber nochmal: Wenn man es so hinbringen würde, dass man in Kleßheim spielen könnte – warum nicht? Ich würde mich einer öffentlichen Diskussion nicht verschließen.

SALZBURG24:
Also können Sie sich vorstellen in der Bullenarena zu spielen?
Didi Emich: Wenn die Rahmenbedingungen passen und wir unsere Vermarktungskonzepte verwirklichen können, dann würde ich zumindest die Diskussion darüber führen. Aber dazu muss ich die Verträge sehen. Wir reden über fiktive Größen. Wenn alle Beteiligten so weit sind und sagen „Machen wir ein gemeinsames Ding“, dann geht das. Man muss mit anderem partizipieren, genauso wie im sportlichen Wettkampf. Momentan sehe ich ein hegemoniales Denken bei Red Bull und das finde ich nicht gut. Und so können sich die Politiker zurücklehnen, denn sie sagen, Spitzensport wird bei Red Bull geboten. Wenn man ehrlich ist, in der Bevölkerung kommen aber andere Gedanken auf. Wir sind in einer heterogenen Gesellschaft, die einen sind Red-Bull-Fans, die anderen Austrianer oder SAK-Fans.

SALZBURG24:
Ohne Red Bull gäbe es aber keinen Profi- Sport in Salzburg.
Didi Emich: Es gibt aber auch Grödig, die Profisport bieten. Ob das der Profisport ist, den wir alle haben wollen, ist eine andere Frage. Hut ab vor Grödig und vor dem, was sie alles geschafft haben. Sie haben 60 zahlende Zuschauer und müssen jetzt 700 überdachte Sitzplätze kaufen, daran sieht man wie krank die ganze Situation ist. Sie bauen eine riesige Tribüne - bekommt jetzt jeder Zuschauer eine eigene Reihe? Ich ziehe den Hut vor Toni Haas, aber warum er sich das antut, wird mir wohl verborgen bleiben. Im ähnlichen Sinne spielt sich das nun bei Red Bull ab. Wir hatten im Spiel gegen die Juniors mehr Zuschauer als beim Meisterschaftsspiel Red Bull gegen Mattersburg. Das sagt auch einiges.

SALZBURG24:
Sie sind bei der Hallen- Landesmeisterschaft mit einer abfälligen Geste gegenüber einigen Vereins-Verantwortlichen von Anif aufgefallen. Stehen Sie als Trainer von Austria Salzburg besonders unter Druck?
Didi Emich: Ich glaube, den Druck den ich bei der Austria habe, hat kein anderer Trainer im Land Salzburg. Das was ein Huub Stevens an Druck verspürt, muss mir einer erklären. Von wem hat der Druck? Außer er hat Angst vor Herrn Mateschitz. Was von draußen kommt ist lächerlich. Bei uns muss ich mit allem rechnen, ich hatte schon Tomaten auf dem Haus. Den Druck setze ich mir zusätzlich selbst, ich möchte immer alles geben. Dann passiert es auch, dass der Druck hinaus muss. Ich kann nicht meinen Spielern sagen, sie sollen Emotionen zeigen, wenn ich selbst nicht lebe.
Das was in der Halle passierte, hat einen ganz klaren Hintergrund. Da wurde die Austria von Seiten der Anifer in den Medien schlecht gemacht. Wer uns vernadert, wird in mir einen extrem streitbaren Geist finden. Nach dem Finalsieg gegen Anif habe ich ihnen die Faust entgegen gestreckt und das heißt, ich bin streitbar und das macht man mit mir nicht. Ich peitsche nicht die Massen auf, das ist nicht das Thema. Es war ein klarer Hintergrund, den ich mir nicht gefallen lassen habe, und das musste raus.

SALZBURG24:
Wo sehen sie die Austria in fünf Jahren?
Didi Emich: Im Europacup. (lacht)

SALZBURG24:
Ernsthaft?
Didi Emich: Sicherlich. Die Frage ist, ob es funktionieren wird. Aber warum sollte man sich keine Ziele setzen und diese angehen?

SALZBURG24:
Wo sehen Sie sich selbst in fünf Jahren?
Didi Emich: Auf der Bank im Europacup. Das ist eine hypothetische Frage, deswegen kann man das auch so beantworten. Ich habe Ziele und die möchte ich angehen. Ich möchte, dass die Austria und ihre Anhänger wieder das bekommen, was sie wollen: Die Austria im bezahlten Fußball sehen und der nächste Schritt ist der Europacup. Wenn ich mich nur mit der zweiten Liga zufrieden gebe, dann wird man dort auch bleiben. Wenn ich immer daran denke, dann kommt das auch. Jedes Ding, was man angeht, hat zuerst einen Gedanken gehabt und wird dann zur Materie. Programmierbar ist es nicht, du kannst die Strukturen schaffen. Das ist das aktuelle Thema und wenn die Struktur da ist, dann kann man es angehen. Ich habe das im Kopf. Nun hängt es davon ab, wie schnell Verein, Vorstand und Politik sind. Wenn wir die Rahmenbedingungen haben, dann können wir es schaffen.

Quelle: salzburg24.at / Foto: ©Salzburg24/Huttary