Freitag, 13. Januar 2012

Das 100.000-Euro-Schnäppchen

Okkasion. Einer der umstrittensten Spieler von Red Bull Salzburg, der launische brasilianische Offensivkünstler Leonardo, könnte zu einer der billigsten Verpflichtungen des Vereins werden.
  
Salzburg (SN). Im Juli 2011 kam er zu Fußballvizemeister Red Bull Salzburg: Mit einer Verletzungshistorie, die einen Kreuzbandriss enthielt, sieben Kilogramm Übergewicht, aber jeder Menge Talent – Leonardo de Vitor Santiago, 28 jähriger Offensivspieler aus Brasilien. Der niederländische Mittelständler NAC Breda hatte den Südamerikaner leihweise nach Salzburg abgeschoben.
  
Weder in Breda noch bei seinen vorherigen europäischen Stationen (Ajax Amsterdam, Feyenoord Rotterdam) konnte Leonardo den Durchbruch schaffen. Das hatte – neben der erwähnten Knieverletzung aus 2007 – einen besonderen Grund: Leonardo ist ein launischer Spieler.
  
In dem einen Spiel kann er zeigen, dass er das Zeug zur Weltklasse hätte. Da narrt er Gegenspieler nach Belieben, trifft mit links und mit rechts, legt Tore auf. In den nächsten Begegnungen trabt er motivationslos über den Platz, verzettelt sich in Einzelaktionen, bringt Mitspieler, Trainer und Zuschauer zur Verzweiflung.
  
Salzburgs Coach Ricardo Moniz glaubte, das Potenzial des einst als „Wunderkind“ gepriesenen Spielers ausschöpfen zu können. Doch Leonardo blieb sich grundsätzlich treu, der Grenzgänger blieb der Schwierige. Ungeachtet dessen könnte der deutlich erschlankte Brasilianer auch nach dieser Saison in Salzburg bleiben. Der bis Ende Juni 2012 aufrechte Leihvertrag mit dem niederländischen Club sieht vor, dass Red Bull das Gehalt des Spielers von Breda übernimmt. Bis Mitte März kann Salzburg eine Kaufoption auf Leonardo wahrnehmen. Der Preis: 100.000 Euro. Das ist im Profifußball auf Erstliga-Niveau, in dem mit Millionen jongliert wird, fast so gut wie nichts.
  
Nach derzeitigem Wissensstand wird Red Bull Salzburg diese Kaufoption wahrnehmen. Nach den vor allem in der Europa League ansprechenden Leistungen von Leonardo (fünf Tore in Gruppenphase bzw. Qualifikation, drei Torvorlagen) wäre der Mann ja durchaus mehr wert als die 100.000 Euro. Leonardo soll im Frühjahr vor allem den Sturmriesen Stefan Maierhofer mit Vorlagen versorgen. Der 2,02-Meter-Angreifer brachte es in 22 Einsätzen seit dem vergangenen August auch schon auf zehn Tore für Salzburg. Ob Stürmer Roman Wallner in Salzburg bleibt oder zum Red-Bull-Club RB Leipzig wechselt, ist noch offen. Trainer Moniz: „Wegen mir muss Roman nicht gehen. Aber wenn das Angebot aus Leipzig für ihn passt, wird er die Entscheidung selbst treffen.“
 
Quelle: Salzburger Nachrichten / Foto: S/N/gepa